"Jingle Produktion in der Schule"

Autor:Joachim Kocsis

A)    Unterrichtsziele:

 

     Die Werbeetats wachsen stetig. Die Werbebranche verzeichnet einen jährlichen Zuwachs von 3-4 % in zweistelliger Milliardenhöhe. Dabei tritt in den letzten Jahren zunehmend die Produktpräsentation zugunsten der Unterhaltungsqualität in den Hintergrund. Musik wird darin gezielt eingesetzt um Bedürfnisse zu wecken, denn Musik gilt für Werbeprofis als das Medium, das am vielfältigsten und stärksten auf das Gefühlsleben einwirkt. Der Jingle als Erkennungsmelodie und seine Identifikation mit einem Produkt haben dabei eine zentrale Bedeutung. Eine Jingle-Produktion ist so arrangiert, dass wir sie zunächst unbewusst wahrnehmen, doch später eindeutig einer bestimmten Sache oder einem Produkt zuordnen. Jugendliche und Erwachsene setzen sich täglich unbewusst mit dieser Musik auseinander. Muss es daher nicht Aufgabe des Musikunterrichtes sein, diese Musik näher zu beleuchten und in den Musikunterricht einzubeziehen?

     Durch die melodische Einfachheit, Kürze und Verschiedenartigkeit dieser Musikform ergeben sich viele neue methodische Möglichkeiten: Neben der Analyse solcher Werbemusik kann vor allem das Komponieren und damit das eigene Tun in den Vordergrund rücken. Der Forderung nach einem handlungsorientierten Unterricht kann hier praktisch nachgekommen werden. Der Aufbau und die Form des Jingles ist sehr überschaubar. Auch melodisch und harmonisch ist er sehr einfach komponiert. Daher kann diese Form von Musik von Schülern schnell durchschaut und auch nachgeahmt werden. Eine Eigenkomposition bietet sich an. Die Instrumentierung einzelner Instrumentalstimmen, die sich mittlerweile durch den Einsatz des Multimediacomputers leicht verwirklichen lässt, bietet viele Möglichkeiten zur Ausgestaltung. Hat ein Schüler erst einmal mehrere Spuren (Melodie, Begleitakkorde, Schlagzeug, Bass, u. a.) für einen Jingle eingegeben oder eingespielt, ist es einfach, verschiedene Instrumentierungen, Klänge und Effekte zuzuordnen und mit ihnen spielerisch umzugehen.

 

B)    Der Jingle – eine Definition:

 

      Der Begriff "Jingle" stammt aus dem Englischen und heißt eigentlich "Geklingel". Gemeint ist eine kurze, einprägsame Melodie oder Tonfolge als Bestandteil eines Werbespots in Rundfunk und Fernsehen, eine Erkennungsmelodie für Radiosender, und zunehmend auch die Musik zu Logos von Mobiltelefonen oder Websites. Die Werbebranche verwendet den Ausdruck "Jingle" für einen meist gesungenen, manchmal auch nur instrumental vorgetragenen Werbeslogan (Slogan = kurzer, einprägsamer Spruch).

     Ein Jingle soll so angelegt sein, dass er sich möglichst schon nach einmaligem Hören einprägt: Er soll sozusagen zum „Markenzeichen“ werden – mit dem Ertönen des Jingles soll jeder wissen, worum es geht. Der Tonvorrat dieser Musik beschränkt sich auf wenige Töne. Ebenso besteht er in der Regel nur aus wenigen Takten. Aufgrund der Überschaubarkeit lassen sich die musikalischen Strukturen im Unterricht sehr schnell erkennen. Umgekehrt kann der Jingle von Schülern im Rahmen eines handlungsorientierten Ansatzes rasch und einfach produziert werden.

 

C)    Die Unterrichtseinheit in der Schule: 

 

     Die Musikform des Jingles ist aufgrund ihrer Kürze sehr überschaubar. Daher ist es leicht, über die Jingle-Produktion Zugang zum eigenen Komponieren mit Hilfe des Multimedia-PC's zu erhalten. Diese Chance sollte man sich im traditionellen Musikunterricht nicht entgehen lassen. Je nach Unterrichtsschwerpunkt kann die Analyse geübt werden, indem ein Jingle melodisch und harmonisch untersucht und beschrieben wird. Durch das eigene Komponieren können Schüler anschließend ihr Wissen handlungsorientiert umsetzen. Die differenzierten Möglichkeiten von Sequenzerprogrammen, gezielt einzelne Parameter zu verändern, öffnen den Schülern alle kreativen Möglichkeiten zur eigenen Gestaltung. So können ohne großen Aufwand z. B. Instrumentierungen, dynamische und klangliche Effekte, Veränderungen des Tempos und vieles mehr mithilfe des Computers ausprobiert und sehr einfach verwirklicht werden. Um die Motivation einer Gruppe zu fördern soll das Ziel einer solchen Einheit immer das konkrete Produkt sein. Jeder Kursteilnehmer soll dabei zu einer eigenen Jingle-Produktion kommen, die er auf Diskette, CD-ROM, CD oder Website abspeichert und z. B. für andere schulische oder private Projekte weiterverwenden kann (z. B. Homepage, Präsentationen u. a.).

     Dieser handlungsorientierte Ansatz verdeutlicht, wie praxisnah und kreativ der Musikunterricht durch eine solche Unterrichtseinheit werden kann. Die Einheit ist gut geeignet, die Themengebiete  „Musik in der Werbung“ oder „Radio/Fernsehen/Medien“ in der Mittelstufe sinnvoll und kreativ zu ergänzen. 

 

D)    Voraussetzungen zu dieser Unterrichtssequenz:

 

     Die Unterrichtssequenz kann je nach Vorkenntnissen eines Kurses oder einer Klasse sehr einfach oder komplex ausgelegt sein. Im einfachsten Fall kann der Jingle melodisch aus  einer Dreiklangsbrechung abgeleitet werden. Als harmonische Begleitung genügt dann ein Akkord, aus dem sich auch der Bass ergibt. Das Schlagzeug kann mit einfachsten Grundschlägen auskommen. Natürlich sollte es nicht bei dieser sehr vereinfachten Komposition bleiben, doch wird hierbei  deutlich, wie diese Sequenz den unterschiedlichen Vorkenntnissen eines Kurses angepasst werden kann. Der Phantasie sind hinsichtlich Kreativität und Anspruch nach oben keine Grenzen gesetzt.
     Die Sequenz ist nicht von der großzügigen Ausstattung eines Computerraumes abhängig. Es genügen Multimedia-PC’s, die mit einem Sequenzerprogramm, einer einfachen Soundkarte und mit Lautsprechern oder Kopfhörern ausgestattet sind.

     Die Noteneingabe kann per Maus erfolgen. Ein schnelleres Komponieren erreicht man allerdings durch die Eingabe mit einer Midi-Tastatur.

 

E)     Die Unterrichtseinheit im Überblick:

 

     Zunächst werden anhand von Jingle-Beispielen Funktion und der Aufbau eines Jingles erklärt. Danach werden die einzelnen Arbeitsschritte, die zu einer Jingle-Produktion notwendig sind,  gemeinsam erarbeitet, damit jeder anschließend selbst seine eigene individuelle Jingle-Produktion komponieren kann.

 

F)     Unterrichtsverlauf:

 

1.      Einführung und Analyse beispielhafter Jingles:

 

     Vorbereitend ist zu empfehlen, dass die Kursteilnehmer möglichst unkompliziert mit Kassettenrekorder Jingles aus Werbespots oder Erkennungsmelodien zu bestimmten Sendungen aufnehmen und im Unterricht vorspielen.

     In dieser ersten Unterrichtsphase muss geklärt werden, worum es sich bei einem Jingle handelt und wozu solche Musikstücke dienen. Jingles sind kurze, einprägsame Erkennungsmelodien, die oft als Bestandteil eines Werbespots erklingen. Sie werden in Rundfunk und Fernsehen, zunehmend aber auch als Logos von Mobiltelefonen oder Websites verwendet. Eine Jingle-Produktion ist so arrangiert, dass sie durch mehrmaliges Hören einem bestimmten Produkt oder einer bestimmten Sache zugeordnet wird.

      Bei der Besprechung sollen Intentionen, die hinter einer solchen Produktion stehen diskutiert werden:  Der Jingle spricht vielfältig und stark das Gefühlsleben an. Er ist als Erkennungsmelodie für ein Produkt und seine Identifikation von zentraler Bedeutung. Zur Analyse sollte ein exemplarisches Beispiel unter folgender Fragestellung analysiert werden: Wie ist die musikalische Struktur dieser Kompositionen und welche Parameter tragen zum charakteristischen Ausdruck bei? Als Kriterien sollten mindestens die Form, der Aufbau, die Instrumentierung, die Klangfarben und die Melodiegestaltung herausgegriffen werden.

 

2.      Gemeinsames Komponieren eines beispielhaften Jingles:

 

     Bevor die Kursteilnehmer selbst einen Jingle komponieren, ist es notwendig, dass jeder Arbeitsschritt einer Jingle-Produktion zunächst beispielhaft vorgegeben und durchgearbeitet wird. Nur mit dieser Voraussetzung ist gewährleistet, dass jeder Kursteilnehmer anschließend eigenständig zu einem individuellen Jingle-Ergebnis kommt. Die grundsätzliche Vorgehensweise bei dieser Art von Komposition wird dabei handlungsorientiert praktiziert:

              I.      Komponieren einer einfachen Tonfolge, die als Erkennungsmelodie dienen soll: Dieses „Thema“ darf nur wenige Töne  umfassen und kann z. B. aus einer Dreiklangsbrechung abgeleitet sein. Beispiel:

 

           II.      Eingeben einer passenden Drumset-Sequenz: Über eine Schleife, die sich mit jedem Sequenzerprogramm einstellen lässt, macht es schnell Spaß, passende Rhythmen auszuprobieren und aufzunehmen.  Sollten keine Keyboards zur Verfügung stehen, ist es ein Einfaches, alle Töne einfach mit der Maus zu notieren. Beispiel:

         III.      Ergänzen einer Harmoniestimme: Entsprechend der Jingle-Melodie müssen nun in einer weiteren Spur Akkorde eingegeben werden. Beispiel: 

 

        IV.      Komponieren einer Bassstimme: In einer weiteren Spur wird eine Bass-Sequenz eingegeben. Dabei geht man von den Grundtönen der Begleitakkorde aus. Diese müssen je nach Vorkenntnissen rhythmisch und melodisch ausgebaut werden. Beispiel:

 

Auf dem Computer wird sich das Beispiel wie folgt darstellen:

 

 

3.      Individuelle Projektarbeit:

 

     Nach diesen Vorarbeiten kann nun jeder Kursteilnehmer einen eigenen Jingle erstellen. Jeder soll sich mit folgenden Fragen konkret am besten auf einem Skizzenblatt notieren, wie er seinen Jingle gestalten möchte:

 

  1. Welche einfache Erkennungsmelodie komponiere ich?
  2. Welche Instrumente verwende ich?
  3. Welcher Schlagzeugrhythmus soll eingesetzt werden?
  4. Mit welchen Akkorden soll meine Melodie begleitet werden?
  5. Wie soll meine Bass-Sequenz klingen?
  6. Mit welchem Instrument beginnt mein Jingle?
  7. Welche Klangfarben bestimmen meinen Jingle?

     Bei entsprechenden technischen Kenntnissen und Voraussetzungen können sich die Teilnehmer nach Fertigstellung ihrer Komposition noch für einen Slogan (=einprägsamer Spruch) entscheiden, diesen mit einem Mikrophon aufnehmen und als Wave-Datei in einer zusätzlichen Spur in ihr Jingle-Projekt einfügen.